Neue Synagoge mit dem Centrum Judaicum



Die Neue Synagoge befindet sich direkt an der S-Bahnstation Oranienburger Straße. Das Gebäude wird für eine Ausstellung über das jüdische Leben in Berlin sowie als Synagoge einer egalitären Gebetsgemeinschaft genutzt. Ebenso verwendet die Jüdische Volkshochschule das Gebäude als Unterrichtsraum und für die Verwaltung.

Die Neue Synagoge wurde 1866 eingeweiht. Ihr Baustil wurde kontrovers diskutiert, da er sich am maurischen Stil orientiert. Diese Bauweise war europaweit bei Synagogenneubauten des neunzehnten Jahrhunderts beliebt. Während der Pogromnacht konnte der Polizist Wilhelm Krützfeld die Zerstörung der Synagoge verhindern. Im November 1943 zerstörten Bomben die Synagoge, später wurden die Trümmer geplündert und für den Aufbau von Wohnungen verwendet. Wegen Einsturzgefahr erfolgte im Sommer 1958 ein Abriss des größten Teiles der Synagoge, lediglich die beschädigte Straßenfront blieb als Mahnmal erhalten. Die Entscheidung zum Wiederaufbau traf 1988 die DDR, dabei sollte der Charakter des Mahnmales erhalten bleiben. Somit wurde die Straßenfront einschließlich der Kuppel komplett wiederaufgebaut, während der gesamte Grundriss der vormaligen Synagoge als Umriss im Pflaster einer Freifläche gezeigt wird.

Das bestehende Gebäude der Neuen Synagoge wird heute in erster Linie als Centrum Judaicum genutzt. Das Centrum Judaicum ist das Museum über die jüdische Geschichte Berlins. Neben der Dauerausstellung zeigt das Zentrum regelmäßig Sonderausstellungen. Des Weiteren finden an einigen Abenden Vorträge statt, diese veranstaltet das Centrum Judaicum häufig in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum. Die Dauerausstellung steht unter dem Motto “Tuet auf die Pforten“, hierbei handelt es sich um ein Zitat aus dem Buch Jesaja.

In Berlin wird das Konzept der Einheitsgemeinde umgesetzt, indem eine jüdische Gemeinde mehrere Synagogen mit unterschiedlicher Prägung unterhält. Die Synagoge Oranienburger Straße folgt der Masorti genannten Richtung. Diese jüdische Richtung wird auch als konservativ bezeichnet, auf Deutsch ist der Begriff jedoch missverständlich. Das Kennzeichen der Masorti-Bewegung besteht darin, modernes jüdisches Leben auf die Tradition zurückzuführen. Der Gottesdienst in der Oranienburger Straße ist egalitär, beim Kiddusch werden die Bestimmungen der Kaschruth strikt befolgt. Als Synagoge dient in der Oranienburger Straße ein relativ kleiner Gebetsraum unterhalb der Kuppel. Jüdische Touristen besuchen während ihrer Reise nach Berlin bevorzugt die Synagoge Oranienburger Straße, da sie am bekanntesten ist.

Das Centrum Judaicum ist am Samstag sowie an jüdischen Feiertagen und am ersten Weihnachtsfeiertag geschlossen, am Freitag sowie am Vortag der Feiertage gelten verkürzte Öffnungszeiten. Besucher können auf Wunsch an einer Führung teilnehmen, für welche zusätzlich zum moderaten Eintrittsentgelt eine Gebühr erhoben wird.



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